Interview: "Im Kern unserer Politik steht die soziale Frage"


Am 16.01.13, um 20:24 Uhr
Von: admin

Einer von uns: Norbert Müller im Gespräch mit Tina Senst über Politisches und Privates (LinksBlick 1/2013)

Tina: Du kandidierst zum ersten Mal für den Deutschen Bundestag. Deshalb wollen wir Dich gern unseren Lesern vorstellen. Mit 26 Jahren bist Du ein sehr junger Kandidat. Wie definierst Du Deine inhaltlichen Ziele, was willst Du verändern?

Norbert: Im Kern unserer Politik steht doch die soziale Frage. Und ihre Kernfrage ist die. Warum eigentlich wem was gehört? Warum soll es richtig sein, dass in diesem Land Millionen Menschen für den Reichtum einiger Weniger arbeiten? Etwas theoretischer ausgedrückt: Im Widerspruch von Kapital und Arbeit gewinnt gegenwärtig konsequent das Kapital. Das will ich nicht akzeptieren.

Ich will, dass der von der Mehrheit der Menschen erschaffene gesellschaftliche Reichtum anders verteilt wird. Als Linke wollen wir die Lebensbedingungen der Menschen verbessern, die Arbeit humanisieren und gesellschaftliche Teilhabe sichern. Die Politik betreibt im Moment das Gegenteil. Hier müssen wir eingreifen.

 

Tina: Mit dieser Kandidatur trifft man ja eine weitreichende Entscheidung für die Zukunft. Woher kommt Deine Motivation, Dich für die Belange Deiner Mitmenschen politisch einzusetzen?

 

Norbert: Die späten Kohl-Jahre und die Schröder-Fischer-Ära haben mich politisch geprägt. Die späten 90er Jahre waren eine Zeit, wo unter dem Leitsatz "Sozial ist, was Arbeit schafft" die Zerstörung unseres Sozialstaates massiv betrieben wurde.

Gleichzeitig habe ich die Konsequenzen der neoliberalen Politik im eigenen

familiären Umfeld immer wieder beobachten können und wie Menschen daran kaputt gegangen sind. Gegenwehr ist aber nur erfolgreich, wenn man sich zusammenschließt und gemeinsam kämpft. Deswegen organisiere ich mich in der LINKEN und ihrem Jugendverband.

Tina: Warum denkst Du, für diese Aufgabe besonders geeignet zu sein?

 

Norbert: Viele andere wären genau so geeignet wie ich. DIE LINKE organisiert eine Menge Menschen, die wie ich für eine Umkehr des gesellschaftlichen Mainstreams der Umverteilung von unten nach oben kämpfen.

Besser geeignet als die KandidatInnen der anderen Parteien bin ich, weil ich die Interessen der Mehrheit der Menschen durchsetzen helfen will. Mit mir wird es weder eine weitere Zerstörung der Sozialsysteme geben noch Kriegseinsätze der Bundeswehr.

 

Tina: Gibt es Zeiten im Leben von Norbert Müller, die völlig unpolitisch sind?

 

Norbert: Das ist wirklich oft schwer und für mein Umfeld auch manchmal anstrengend. Aber es ist ja immer was zu tun. Trotzdem habe ich inzwischen gelernt, dass man sich solche Freiräume schaffen muss, auch um den Kopf wieder frei zu bekommen. Ich gehe zum Beispiel gern segeln und habe mit meiner Frau eine kleine Jolle. Das ist ziemlich unpolitisch, oder?

 

Ansonsten sorgt meine Familie inzwischen dafür, dass ich politikfreie Zeit habe: Unser Sohn verdient seine Aufmerksamkeit und fordert die auch mit Nachdruck ein. Und auch ein Haushalt macht sich ja nicht von alleine.

 

Tina: Wie organisierst Du Deine Arbeit, dass Du allen Funktionen gerecht werden kannst?

 

Norbert: Ich versuche einfach viel zu arbeiten. Mein Leben ist nicht im Acht-Stunden-Rhythmus getaktet. Ich versuche jede Minute so gut wie möglich zu nutzen. Aber ich muss hier noch viel lernen. Ich denke, zu meinen Schwächen zählt, dass ich am Ende des Tages nie das geschafft habe, was ich mir vorgenommen habe. Vielleicht nehme ich mir einfach zu viel vor.

Tina: Was bedeutet für Dich Glück, wonach strebst Du in Deinem Leben?

 

Norbert: Glück ist, wenn ich mit meinem Sohn toben kann und er sich vor Lachen schon verschluckt. Glück bedeutet zu sehen, wie Timon sich entwickelt und gerade anfängt uns nachzusprechen. Ich würde mir wünschen, dass irgendwann meine Kinder einmal sagen können, dass sie stolz auf ihren Papa sind, weil er vielen Menschen geholfen hat, ihre Lebensbedingungen zu verbessern. Das ist sicherlich erstrebenswert.