Zahl minderjähriger Rekrut*innen sinkt deutlich

Wie aus einer Anfrage von mir an das Bundesverteidigungsministerium hervorgeht, ist die Zahl minderjähriger Rekrut*innen bei der Bundeswehr im Corona-Jahr 2020 stark gesunken. Waren es im Vorjahr noch 1706, haben 2020 nur 1148 junge Menschen ihren Dienst bei der Truppe aufgenommen, bevor sie das 18. Lebensjahr vollendet hatten.


Am 28.01.2021, um 14:24 Uhr

Mit sieben Prozent Anteil an allen Dienstantritten ist auch der relative Anteil spürbar gesunken, 2019 waren es noch 8,5 Prozent. Damit sinkt im Corona-Jahr die Zahl minderjähriger Rekrut*innen überdurchschnittlich im Vergleich zur Gesamtzahl neuer Rekrut*innen. Es zeichnet sich also eine Trendwende ab. Dass der Anteil an minderjährigen Soldat*innen zum ersten Mal seit Jahren sinkt, ist ein gutes Zeichen und sicherlich auch ein Erfolg friedenspolitischer Initiativen und unserer jahrelangen kritischen Arbeit im Bundestag. Das große Ziel muss jedoch nach wie vor lauten: Unter 18 nie.

Mit der Forderung nach der Erhöhung des Rekrutierungsalters sind wir als LINKE nicht allein. Anfang 2016 hat die Kinderkommission, bestehend aus je einem Politiker aller Fraktionen, auf meine Initiative hin einstimmig die Bundesregierung aufgefordert die Rekrutierung Minderjähriger zu stoppen. Und bis zur Umsetzung die Werbekampagnen für Minderjährige zu unterbinden, Gutachten zur Risikobewertung zu erstellen, Schutzstandards umzusetzen inklusive einer getrennten Unterbringung, der Abschaffung des Fahnenflucht-Strafbestandes oder auch der Einführung einer erneuten Dienstverpflichtung mit 18 Jahren. Auch der UN-Ausschuss für die Rechte des Kindes hat Deutschland bereits mehrfach dazu aufgefordert das Straight-18-Ziel umzusetzen.

Das Deutsche Bündnis Kindersoldaten bestehend aus UNICEF, Amnesty International, dem Roten Kreuz, dem Kinderhilfswerk, der Evangelischen und Katholischen Kirche forderte die Bundesregierung auf, nicht nur im Ausland gegen die Rekrutierung Minderjähriger vorzugehen.

Übrigens ist die Zahl der Dienstantritte insgesamt regelrecht eingebrochen. Waren es 2019 noch 20.070 Rekrut*innen, sind im Jahr 2020 lediglich 16442 neu zur Truppe gestoßen. Wahrscheinlich gibt es hier einen Zusammenhang mit der Corona-Pandemie. Die Zahlen zeigen unter Umständen, wie wichtig Schulen und Jugendmessen als Rekrutierungsterrain sind. Ohne diese Werbeflächen vor Ort, nützt offenbar auch das aufwendige Online-Marketing der Bundeswehr wenig.