16.05.2009 00:48 Von: admin

Redebeitrag auf der Vollversammlung an der Uni Potsdam (29.04.2009)


Liebe Kommilitoninnen und Kommilitonen,

eigentlich wollte ich euch zum Einstieg fragen, ob sich die Bachelor-Studis melden können und sie dann bitten, jeden dritten abzuzählen. Doch für diese Aufwärmübung sind wir zu viele. Was hätte ich bezweckt? Nun, nur für diese Bachelor-Studierenden wird die Universität Potsdam Master-Studienplätze bereithalten.

Nicht jeder Bachelor-Studierende sei für einen Master-Studiengang geeignet, meint die Hochschulleitung. Passend dazu titelt die aktuelle Ausgabe der ZEIT "Macht studieren dumm?".

Der Position der Hochschulleitung ist dabei ebenso entgegen zutreten wie einer Abwertung der Bachelorabschlüsse. Wir alle wissen, dass mit der mit dem Bologna-Prozess einhergehenden Abschaffung der alten Diplom- und Magisterstudiengänge Abschlüsse geschaffen wurden, die eben nicht per se als berufsqualifizierend anerkannt werden. Der Willen des Uni-Präsidiums, nur einer Minderheit der Bachelor-Absolventinnen und Absolventen die Chance auf den Master zu geben, schwächt die Stellung des Bachelors dabei noch mehr.

Die Position des Studierendenparlaments, des AStA und der studentischen Vertreterinnen und Vertreter in den Uni-Gremien ist es dabei nicht, dass alle Bachelor-Studierenden einen Master machen müssen – vielmehr fordern wir die Möglichkeit eines Master-Studiums für jeden Bachelor-Absolventen. Die durch die Hochschulleitung forcierten Zulassungsgrenzen und –voraussetzungen lehnen wir entschieden ab. Wir wollen, dass Bachelor-Absolventen selbstständig entscheiden können, ob, wann und wo sie einen Master-Studiengang beginnen.

Vor über einem Jahr traten die ersten Masterzulassungsordnungen in einzelnen Studiengängen in Kraft. Sei es die Regelung, dass man für die Aufnahme eines Masterstudiums eine bestimmte Bachelor-Note benötigt oder zu den besten eines Abschlussjahrganges gehören muss – diese Ordnungen sind nichts anderes als Masterverhinderungsordnungen.

Die Studierendenvertretung hat sich von Anfang an gegen diesen Bildungsklau gewehrt. Bereits vor einem Jahr gab der AStA ein Rechtsgutachten in Auftrag, auf dessen Grundlage eine breite Mehrheit im Studierendenparlament beschlossen hat, gegen die bisher in Kraft gesetzten Masterzulassungsverhinderungsordnungen zu klagen. Eine erste Musterklage wurde vor wenigen Wochen eingereicht.

Unsere Rechtsposition ist hierbei eindeutig – das Grundrecht auf Ausbildung und ein Hochschulstudium hat im Art. 12 Grundgesetz Verfassungsrang gefunden. Dieses Grundrecht kann nur durch allgemeines Gesetz begrenzt werden. Für strikte Masterzulassungsregelungen gibt es aber in Brandenburg keinerlei Rechtsgrundlage. Im Gegenteil: Die strengen Zulassungsgrenzen lassen erwarten, dass es zu einer Nichtausschöpfung von Kapazitäten kommen kann. Dies ist aber nach geltender Rechtssprechung nicht zulässig.

Es geht aber um mehr, als nur um die Schlacht der Paragrafen. Die Universität Potsdam ist außergewöhnlich kreativ, wenn es um die Kontingentierung von Bildung geht. Die Hochschulleitung unter Frau Kunst strebt den Aufbau von Elitenclustern an. Statt guter Studienbedingungen für alle Studierenden an der Universität Potsdam, wird mit der Schaffung einzelner Leuchttürme in der Breite Bildungsabbau betrieben. Die Beseitigung des Studiengangs Kunst ist dafür ebenso Beleg wie das den Besuch von Lehrveranstaltungen begrenzende Belegpunktesystem und eben die strengen Master-Zulassungsregelungen.

Besonders schwer wird es für Studierende, die für die Finanzierung ihres Studiums arbeiten müssen, die Kinder haben - aber auch für ausländische Studierende. Wer aus den unterschiedlichsten Gründen die Anforderungen eines Vollzeitstudiums nicht erfüllen kann, wird es schwer haben, die Hürden für den Master zu bezwingen. So wird das Masterstudium auch ein Studium für Studierende aus finanziell besser gestellten Verhältnissen.

Liebe Kommilitoninnen, liebe Kommilitonen – die geplante und zum Teil schon realisierte Beschneidung des Anspruchs auf einen Masterstudienplatz ist politisch falsch, unsozial und rechtswidrig.

Wir fordern nicht weniger, als unser Recht auf Bildung.