Generation Schwimmflügel

Nicht nur im Bundestag beginnt in diesen Tagen die Sommerpause, auch in den meisten Bundesländern beginnen derzeit die Sommerferien. Sommerzeit heißt Badezeit. Doch die Zahl der Kinder, die schwimmen können, sind seit Jahren rückläufig.


Am 05.07.2018, um 16:19 Uhr

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Nicht nur im Bundestag beginnt in diesen Tagen die Sommerpause, auch in den meisten Bundesländern beginnen derzeit die Sommerferien. Sommerzeit heißt Badezeit. Doch die Zahl der Kinder, die schwimmen können, sind seit Jahren rückläufig.

Eine Forsa Umfrage von 2016 zum Thema Schwimmen zeigte, dass immer weniger  Kinder Schwimmen können und jene die es können, es meistens nicht in der Schule gelernt haben. 59 Prozent der  Zehnjährigen sind keine sicheren Schwimmer. Nur 36 Prozent aller Kinder lernen das Schwimmen in der Grundschule. Ein Viertel aller Grundschulen hat gar keinen Zugang zu einem Schwimmbad.

In den neunziger Jahren konnten noch 90 Prozent der Bevölkerung Schwimmen. 

Vorausgegangen war in den alten Bundesländern der „goldene Plan“ aus den 60er Jahren mit dem Anspruch, dass jede Kommune mindestens ein Schwimmbad besitzt. Mittlerweile schließen fast 50 Schwimmbäder jährlich und es wird an der Wassertemperatur und Ausstattung gespart. Wie in vielen Bereichen der öffentlichen Daseinsvorsorge unterliegen die Bäder dem Sparzwang der Kommunen und werden wegrationalisiert. In die Lücke stoßen die inflationär zunehmenden Spaßbäder, die jedoch deutlich höheren Eintritt verlangen.

Besonders trifft das ärmere potentielle Badegäste. Die Resultate sind erdrückend:

In Hamburg können aus den wohlhabenden Stadtteilen 98 Prozent der Kinder nach der Grundschule schwimmen aus den ärmeren Gegenden nur 58 Prozent. 

Familienministerin Giffey widmete sich dieser Tage auch dem Schwimmen, jedoch unter ganz anderen Vorzeichen. Sie warnte beim Schwimm- und Sportunterricht vor kulturellen oder religiösen Ausreden in explizitem Bezug auf muslimische Mädchen, die dem Schwimmunterricht fernbleiben würden. Sie sollen notfalls mit Bußgeldern zum Schwimmunterricht gezwungen werden.

Wie die obigen Zahlen illustrieren geht das an den eigentlichen Problemen der Menschen vor Ort vorbei. Statt sich zum Ferienstart der misslichen Lage der öffentlichen Bäder anzunehmen, müssen nun wenige dafür herhalten, was in der Gesamtgesellschaft schief läuft.

Ich fordere eine Wiederaufnahme des Goldenen Plans, notfalls mit Mitteln aus dem Bundeshaushalt, um die Überlebenstechnik Schwimmen allen Kindern, unabhängig Geldbeutel der Eltern, beibringen zu  können. Denn was wir brauchen, sind keine Bußgeld für religiöse Schüler*innen sondern schwimmende Kinder. In diesem Sinne:

Schön Ferien!