Kapitalismus heißt das Problem nicht Schulschwänzen

Die größte Gefahr für Mensch und Klima geht nicht von der Kohle oder Dieselabgasen aus, sondern dem System, das diese produziert: dem Kapitalismus. Nicht umsonst fordern wir einen sozial-ökologischen Umbau, der die gesellschaftliche Produktionsweise als Ganzes hinterfragt und verändern will.


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„Unsere Jugend ist heruntergekommen und zuchtlos. Die jungen Leute hören nicht mehr auf ihre Eltern. Das Ende der Welt ist nahe“, so lautet eine Keilschrift aus Mesopotamien, die auf ca. 2000 Jahre vor Christus datiert wird. Die Worte könnten auch in den kürzlichen Debatten rund ums Schulschwänzen im Zuge der fridays for future – Proteste gefallen sein.

Denn anstatt sich darüber zu freuen, dass es eine selbstorganisierte Bewegung vermag weltweit Hunderttausende junge Leute seit Wochen auf die Straße zu bringen, machen sich Politiker_innen von AfD bis zum brandenburgischen Ministerpräsidenten Woidke darüber Sorgen, dass der Freitag nicht der Schule allein gewidmet ist.

Dabei ist es eine Binsenweisheit, dass Bildung auch und vor allem außerhalb der oftmals trostlosen Schulmauern stattfindet. Das Organisieren von und Partizipieren an Demonstrationen, die Auseinandersetzung mit den vorgetragenen Anliegen und das Schärfen der eigenen Position sind es allemal. Und selbst wenn von Demonstrationen quasi null „Bildung“ ausginge, das Recht auf freie Meinungsäußerung steht weit über der Pflicht junger Menschen die Schule zu besuchen.

Der Verweis aufs Schulschwänzen ist aber vor allem ein billiger Ablenkungsversuch. Ablenkung von der eigenen und kollektiven Verantwortung diesen Planeten zu bewahren. Nicht umsonst kommt die lauteste „Kritik“ von den Klimawandelleugnern der AfD und Kohlefans aus dem bürgerlichen Lager.

Pointiert, aber müßig auch die Kommentare darüber, dass die die heruntergekommene Jugend (s.o.) doch lieber selber mal den Müll trennen und die Türen schließen solle. Sicherlich hat der/die Einzelne eine Verantwortung gegenüber der Umwelt, sei es durch Konsum oder Reiseverhalten. Doch der Bärenanteil des menschgemachten Klimawandels ist bei der Industrie, dem Kapital zu verorten. Das fängt bei der unsauberen Energieerzeugung an, geht bei der Schwerindustrie und ihren übersubventionieren Hochenergiefabriken weiter und kommt erst mit den durch die Industrie manipulierten Produkten (siehe Diesel-Skandal) bei den Konsument_innen an. Das Ende der Welt ist näher als je zuvor, aber nicht weil sich junge Menschen ihrer Stimme ermächtigen. Sondern weil die Stimme der Vernunft, dem Gesetz des Profits unterliegt.

Als LINKE sollten wir uns weiter darauf verstehen, die vernünftigen Stimmen der Vielen egal welchen Alters zu hören und mitzutragen. In Punkto Klimarettung ist daher unsere Forderung nach einem europaweiten Braunkohleausstieg bis 2030, wie wir es in unserem Europawahlprogramm formulieren, konsequent. Doch natürlich wäre es damit nicht getan. Die größte Gefahr für Mensch und Klima geht nicht von der Kohle oder Dieselabgasen aus, sondern dem System, das diese produziert: dem Kapitalismus. Nicht umsonst fordern wir einen sozial-ökologischen Umbau, der die gesellschaftliche Produktionsweise als Ganzes hinterfragt und verändern will.