Der Turmbau zu Potsdam – ein Kommentar zu den jüngsten Entwicklungen um die Garnisonkirche

Der Verzicht auf das Kirchenschiff muss mit dem Erhalt des Rechenzentrums und seiner derzeitigen Nutzung einhergehen!


Am 26.09.2019, um 15:23 Uhr

Die Bundesregierung will weitere sechs Millionen Euro für den Bau der Garnisonkirchenturmkopie zur Verfügung stellen. Damit wird mehr und mehr Gewissheit, was viele bereits befürchteten: Das hochumstrittene Projekt wird nun auch zu einem Millionengrab für die öffentliche Hand.

Dass es sich bei der Garnisonkirchenkopie in Potsdam um ein vornehmlich aus Spenden finanziertes Projekt handelt, das kann eigentlich schon lange keiner mehr behaupten. Allein der Bund sicherte bisher zwölf Millionen Euro zu, von denen 4,2 Millionen bereits abgeflossen sind. Hinzukommen die großzügigen Geschenke aus der Zeit der rot-schwarzen Landesregierung unter Ministerpräsident Platzeck, die der Stiftung rund zwei Millionen Euro aus Vermögen der Parteien und Massenorganisationen der DDR und noch einmal 117.000 Euro aus Lottomittel zur Verfügung stellten. Nicht zu vergessen sind auch die rund 75 Millionen Euro Steuergelder, die für den Umbau der Breiten Straße und den Umzug des Landesrechnungshofes aufgewendet werden mussten.

Nun will der Bund also noch einmal sechs Millionen Euro extra zur Verfügung stellen, um der durch Bauverzögerungen und die ausbleibenden Spenden (woran das nur liegen mag) in die Klemme geratenen Stiftung Garnisonkirche Potsdam aus jener zu helfen. Jüngst legte die Stiftung zumindest verbal noch einen drauf. So konnte sich Paul Nolte, Vorsitzender des wissenschaftlichen Beirats der Garnisonkirchenstiftung, im Zeitungsinterview sehr gut vorstellen, dass der Rest des Baus ausschließlich aus öffentlichen Mitteln getragen wird.

Unterdessen zeigen Wiederaufbaufans einen Steinwurf entfernt, wessen Geistes Kind sie sind. Nachdem die Stadt (endlich) Einsicht gefunden hat und das revanchistische Glockenspiel in der Dortustraße verstummen ließ, veranstalteten sie ein Protestsingen gegen die Demontage. Was soll auch bedenkenswert sein an Inschriften wie „suum cuique“ (lat. Jedem das Seine) oder an der Würdigung diverser Wehrmachtsverbände und Preußischer „Helden“. Die taz bemerkte kürzlich in einem Kommentar, Potsdam habe „einen an der Glocke“. Auch wenn das auf große Teile der städtischen Zivilgesellschaft sicherlich nicht zutrifft, kann man sich diesem Eindruck beim Turmbau zu Potsdam leider nicht gänzlich erwehren.

Der jüngste Vorschlag von Mike Schubert, auf den Bau des Kirchenschiffs zu verzichten erscheint vor diesem Hintergrund nicht mehr so bahnbrechend, wie er in der Öffentlichkeit aufgenommen wurde. Denn selbst die treuesten Garnisonkirchenjünger sollten den Glauben an die Umsetzbarkeit des Schiffs wohl bereits verloren haben. Die Ersatzlösung einer Jugendbegegnungsstätte klingt auf den Blick spannend, beinhaltet aber gewisse Risiken und Nebenwirkungen. So wäre es meiner Sicht nicht tragbar, wenn die Garnisonkirchenstiftung mit pädagogischen Arbeit betraut würde. Dafür fehlt Glaubwürdigkeit und Kompetenz. Außerdem drohte damit die Gefahr, dass die Stiftung doch an städtische Gelder gelangt, was die Stadtverordneten eineindeutig und zurecht ausgeschlossen haben.

Und das Wichtigste: Der Verzicht auf das Kirchenschiff muss mit dem Erhalt des Rechenzentrums und seiner derzeitigen Nutzung einhergehen!