Kinder- und Jugendübernachtungsstätten nicht im Stich lassen


Am 18.06.2020, um 16:59 Uhr

Endlich Ferien! Doch so seltsam wie dieses Jahr dürfte sich der Ferienbeginn in Nachkriegsdeutschland noch nie angefühlt. Das gilt für die Eltern, die mit zusätzlichen Betreuungsaufgaben inmitten einer gesamtgesellschaftlichen Krise riesige Herausforderungen zu stemmen haben. Und natürlich haben im Eindruck der vergangenen Wochen auch für Kinder und Jugendliche die großen Ferien nichts Gewöhnliches. Heimarbeit, dass Abgeschnittensein von Freundinnen und Freunden, das Aussetzen von Vereinsaktivitäten, extreme Einschränkungen im öffentlichen Leben bargen extreme Belastungen, die erst mal kompensiert gehören. Ein klassischer Ort für Jugendgruppen in Ferien- wie Schulzeiten sind seit Jahrzehnten die Kinder- und Jugendübernachtungstätten. Sie fördern soziales Lernen, bürgerschaftliches Engagement und interkulturelle Kompetenz. Damit leisten sie einen wichtigen Beitrag zur wirksamen Demokratiebildung junger Menschen. Als Klassenfahrtsziele bilden sie eine wichtige Schnittstelle zwischen schulischer und außerschulischer Bildung. Sie fördern die gesellschaftliche, soziale Teilhabe von jungen Menschen und Familien und das auch für den schmalen Geldbeutel. Im Zuge der Corona-Krise sind diese wichtige Träger außerschulischer Bildung und Freizeit in blanke Existenznot geraten. Sie sind durch Stornierungen und Absagen von Veranstaltungen mit massiven Einnahmeverlusten konfrontiert. Überbrückungshilfen und Kurzarbeitergeld reichen dabei nicht annähernd aus, um die trotzdem anfallenden Kosten zu kompensieren. Auch können zahlreiche Aktivitäten wie Sommerzeltlager nicht einfach zu einem späteren Zeitpunkt nachgeholt werden. Als gemeinnützige Einrichtungen verfügen die Kinder- und Jugendunterkünfte nicht über Rücklagen, um einen solchen Einnahmeausfall zu kompensieren. Nach einer Erhebung von 16 bundesweiten Dachverbänden gemeinnütziger Jugend- und Bildungshäuser besteht für 1.700 Bildungseinrichtungen mit 40.000 Mitarbeiter*innen von Mitte März diesen Jahres bis einschließlich März 2021 ein Mangelbedarf in Höhe von 736 Millionen Euro. 36 Millionen Übernachtungen wurden storniert. Kreditprogramme, wie sie nun von der Bundesregierung angekündigt wurden, helfen den betroffenen Einrichtungen nicht. Sie sind wirtschaftlich nicht in der Lage Kredite zurückzuzahlen und junge Menschen sollten sich nicht unverschuldet verschulden müssen, um ihre Strukturen zu sichern. Die Erhöhung von Preisen ist ebenfalls keine Option, da die Zielgruppe der Unterkünfte diese nicht tragen könnte. Durch die Pandemielage und das mangelhafte Krisenmanagement von Bund und Ländern stehen damit die gesamte, vielfältige Landschaft der Bildungsstätten sowie Kinder- und Jugendübernachtungsstätten vor dem Aus. Eine zu befürchtende Pleitewelle hätte verheerende Folgen für die Kinder- und Jugendbildungsarbeit, der gerade in Zeiten von verstärktem Rassismus, Antisemitismus und Nationalismus eine immense Bedeutung zukommt. Nicht zuletzt hätte dies auch unabsehbare negative Folgen für die vielfältigen Träger, die oft weit über die Kinder- und Jugendunterkünfte hinaus in der Kinder- und Jugendarbeit engagiert sind. Als LINKE werden wir uns vehement für die Rettung dieser wichtigen Lern- und Lebensorte streiten. Die Sommerferien des hoffentlich coronafreien Jahres 2021 können dann wieder dort stattfinden, wo sie hingehören: in der Natur, unter Gleichaltrigen und an finanziell gesicherten Standorten.