Von gläsernen Decken und Männerclubs

Wenn in politischen Debatten die Rede von einer gläsernen Decke ist, geht es meist um den verwehrten Aufstieg von Frauen und anderen unterrepräsentierten Bevölkerungsgruppen in die Chefetagen der privaten und öffentlichen Unternehmen. Frau kann die Decke einfach nicht durchdringen, weil – so das Gleichnis – unsichtbare (Macht-)Strukturen sie daran hindern.

Diese Strukturen anzupacken, schreibt sich die Große Koalition nun bereits zum zweiten Mal innerhalb (politisch) kurzer Zeit auf die Fahnen und brachte diese Woche den Gesetzentwurf zur „Ergänzung und Änderung der Regelungen für die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen an Führungspositionen in der Privatwirtschaft und im öffentlichen Dienst“ ein. Damit soll korrigiert werden, was im ersten Anlauf 2015 nicht geglückt ist: Der Frauenanteil soll spürbar erhöht werden. Denn während die eingeführte verpflichtende 30 Prozent-Quote für börsennotierte und mitbestimmte Unternehmen durchaus gegriffen hat (Anstieg von 25 auf 35 Prozent) sind die Vorstände und anderen Leitungsebenen der meisten anderen Unternehmen noch regelrechte Männerclubs. Im Corona-Jahr 2020 war sogar ein geringer Rückgang des ohnehin niedrigen Frauenanteils zu verzeichnen. Die Bundesregierung will nun nachjustieren und tut dies, wie so oft, wenn es um die Regulierung von Unternehmen geht, mit Samthandschuhen, Marke extraweich: So werden die Aktien-Unternehmen zukünftig verpflichtet, mindestens eine Frau in den Vorstand zu berufen, sollte dieser mehr als drei Personen umfassen. Die Effekte hiervon dürften überschaubar sein, zumal sie gerade 75 Firmen betreffen. Die Münchner Rück AG, hat beispielsweise einen neunköpfigen Vorstand mit genau einem weiblichen Mitglied. Das entspricht einer Quote von lächerlichen elf Prozent und trotzdem hat das neue Gesetz hier keinerlei Auswirkung. Genauso verpuffen wird ein Reförmchen, dass sich an die kleineren Unternehmen richtet, welche bisher von einer strikten Quote ausgenommen sind. Sage und schreibe 75 Prozent dieser Unternehmen haben sich der sogenannten „Zielgröße Null“ verschrieben, planen also keine Frauen in die Vorstände aufzunehmen. Statt auch hier mit einer verbindlichen Regelung nachzusteuern, müssen diese Firmen fortan ihre Männerbünde begründen und dürfen sie fortführen. Wie es stattdessen gehen kann, zeigt unser Antrag. Anstelle von weichgespülten Mogelpackungen, fordern wir einen Frauen*-Anteil in Chefetagen, der ihrem Anteil in der Bevölkerung entspricht, also mindestens 50 Prozent. Verstöße müssen konsequent sanktioniert werden. Und vor allem braucht es auch eine Strategie wie in kleinen und mittelständischen Unternehmen für mehr Gleichstellung am Arbeitsplatz gesorgt wird. Denn natürlich werden die allermeisten Frauen* (und Männer*) nie ein Vorstandsbüro von innen sehen. Für echte Gleichstellung braucht es Maßnahmen in die Breite der Gesellschaft und keine Schaufensterpolitik zugunsten der oberen Zehntausend. Übrigens hat auch die Bundesregierung alles andere als eine weiße Weste, wenn es um die paritätische Besetzung von Führungspositionen geht. So sind derzeit gerade mal 37 Prozent der Leitungsfunktionen in Bundesbehörden weiblich besetzt. Noch immer gab es in 69 Jahren Bundesrepublik mehr Staatssekretäre namens Hans als weiblichen Geschlechts. Wie ernst es der GroKo um Gleichstellung angesichts dieser Zahlen wirklich ist, kann jede und jeder selbst beurteilen.

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